Johannes 1:1-3

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ist durch dasselbe entstanden; und ohne dasselbe ist auch nicht eines entstanden, was entstanden ist. (Johannes 1:1-3)

Laut Trinitariern, steckt vieles über Jesu göttlichem Wesen in den ersten Versen des Johannes-Evangeliums.

  1. Johannes 1:1a: Das Wort (Jesus) war im Anfang – was laut trinitarischer Deutung besagt das Jesus keinen Anfang hatte, und somit so wie Gott der Vater bereits ewig lebt. Nur Gott hat keinen Anfang, und somit muss Jesus Gott sein, und kein Geschöpf Gottes
  2. Johannes 1:1b: Das Wort war bei Gott – wobei diesmal laut dem trinitarischen Verständnis „Gott der Vater“ gemeint ist – Jesus war also bei Gott dem Vater – das ist die trinitarische Deutung
  3. Johannes 1:1c: Das Wort war Gott – diesmal ist mit „Gott“ eigentlich das göttliche Wesen gemeint. Laut Trinitarischem Verständnis ist dieser Teilsatz unmissverständlich: Jesus ist Gott – steht explizit so in der Bibel. Dass man diese scheinbar eindeutige Aussage aber auch völlig anders interpretieren kann, ja sogar sollte zeige ich hier.
  4. Johannes 1:2: wie Johannes 1:1a und b
  5. Johannes 1:3: Jesus ist der Schöpfer. ALLES ist durch ihn entstanden, und es gibt „auch nicht eine“ Schöpfung die ohne Jesus entstanden ist. Demnach kann laut trinitarischem Verständnis Jesus nicht erschaffen worden sein, da er somit Teil der Schöpfung wäre, was aber laut diesem Vers nicht möglich ist!

Wer werden im Zuge dieses Artikels auf Johannes 1:1a, b, 1:2 und 1:3 eingehen. Johannes 1:1c wurde bereits hier abgehandelt.

Im Anfang – welcher Anfang?

Welcher „Anfang“ ist in Johannes 1:1, 2 gemeint, und was ist mit „Im Anfang“ gemeint?

Johannes benutzt den Begriff „Anfang“ mehrere Male in seinem Evangelium. Bspw. zitiert Johannes Jesus in Johannes 15:27:

…und auch ihr werdet Zeugnis geben, weil ihr von Anfang an bei mir gewesen seid (Johannes 15:27 – Schlachter 2000)

Gemäß Johannes 15:27 bedeutet der „Anfang“ hier die Zeit, in der Jesu Jünger anfingen mit Jesus nachzufolgen – der Beginn von Jesu Predigtfeldzug.

Johannes 1:1 beschreibt im Kontext jedoch einen anderen Anfang. Johannes spricht vom Anfang und verbindet diesen Anfang kontextuell mit der Schöpfung – der Entstehung von Allem!

Interessanterweise benutzt die Septuaginta exakt die gleichen Worte „Im Anfang“ in Verbindung mit dem Schöpfungsbericht in 1. Mose 1:1.

Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde. (1. Mose 1:1 – Schlachter 2000)

Wenn Johannes also mit dem Entstehen von Allem (Johannes 1:3), alle Dinge meinte die im Schöpfungsbericht von 1. Mose Kapitel 1 und 2 aufgezählt werden, dann ist Jesus ausgenommen, selbst wenn er eine Schöpfung ist.

Liest man den Schöpfungsbericht von 1. Mose Kapitel 1 und 2 sehr aufmerksam, so kommt man unweigerlich zur folgenden Schlussfolgerung:

Der Schöpfungsbericht aus 1. Mose beinhaltet ausschliesslich materielle Dinge aus dem Blickwinkel eines Erdenbewohners.

(1. Mose Kapitel 1 und 2)

Bei „allem was entstanden“ ist, handelt es sich demnach um alles Materielles!

Im Anfang = ein Zeitrahmen

Der Begriff „im Anfang“ beschreibt einen begrenzten Zeitrahmen, mit einem Anfang und einem Ende. Der Schöpfungsbericht aus 1. Mose Kapitel 1 und 2 gibt das her – er beginnt mit der Aussage: „Im Anfang schuf Gott die Himmel und die Erde.“ (1. Mose 1:1) und beschreibt 6 Schöpfungstage. Dieser Anfang beginnt also am ersten „Schöpfungstag“ und hört am Ende des sechsten „Schöpfungstages“ auf.

In 1. Mose 2:1-3 wird das Ende des „Anfangs“ so beschrieben:

So wurden der Himmel und die Erde vollendet samt ihrem ganzen Heer. Und Gott hatte am siebten Tag sein Werk vollendet, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von seinem ganzen Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn, denn an ihm ruhte er von seinem ganzen Werk, das Gott schuf, als er es machte. (1. Mose 2:1-3 – Schlachter 2000)

Im Anfang fing Gott also an die Himmel und die Erde zu erschaffen, und am Ende des sechsten „Schöpfungstages“ wurden „der Himmel und die Erde vollendet„! Das ist der Zeitrahmen den „Im Anfang“ beinhaltet.

War das Wort (Jesus) bereits „im Anfang“ da?

Eine genauere Analyse von Johannes 1:1 und 2 scheint dies zu bestätigen. Das Wort (Jesus) war im Anfang bei Gott, muss also bereits existiert haben! Heisst dies dass Jesus keinen Anfang hatte?

Nicht zwingend! Wieso nicht? Nun, wer war denn noch zugegen als Gott „Himmel und Erde“ erschuf? Interessanterweise beschreibt die Bibel dass Gott bei der Erschaffung der Erde nicht alleine war!

Wo warst du, als ich den Grund der Erde legte? Sprich es aus, wenn du Bescheid weißt! Wer hat ihre Maße bestimmt? Weißt du das? Oder wer hat die Messschnur über sie ausgespannt?  Worin wurden ihre Grundpfeiler eingesenkt, oder wer hat ihren Eckstein gelegt,
als die Morgensterne miteinander jauchzten und alle Söhne Gottes jubelten? (Hiob 38:4-7 – Schlachter 2000)

Als die Erde erschaffen wurde, Gott also ihren „Grund legte“, „ihre Grundpfeiler einsenkte“, „ihren Eckstein legte“, jubelten „alle Söhne Gottes“. Mit „Söhne Gottes“ sind ohne Zweifel Gottes Engel gemeint (siehe Hiob 1:6 und 2:1).

Engel sind von Gott erschaffene Geistwesen:

Lobt ihn, alle seine Engel… Sie sollen loben den Namen des HERRN; denn er gebot, und sie wurden erschaffen (Psalm 148: 2, 5 – Schlachter 2000)

Wenn also geschaffene Engel „im Anfang“ bei Gott waren, als er begann die Erde zu erschaffen – am ersten Schöpfungstag – was sagt uns das über „das Wort“ bzw. Jesus? Selbst wenn „durch das Wort alles entstand“ was den Zeitrahmen innerhalb des „Anfangs“ betraf, so ist das kein Indiz dafür dass „das Wort“ selbst keinen Anfang hatte.

Kolosser 1:15 und Offenbarung 3:14 beschreiben Jesus so:

Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung. (Kolosser 1:15 – Elberfelder)

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Dies sagt, der »Amen« ⟨heißt⟩, der treue und wahrhaftige Zeuge (Jesus), der Anfang der Schöpfung Gottes (Offenbarung 3:14 – Elberfelder)

Jesus ist demnach „der Erstgeborene aller Schöpfung“ und „der Anfang der Schöpfung Gottes“.

Ebenso ist Jesus „die Weisheit Gottes“

denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, [verkündigen wir] Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit. (1. Korinther 1:24 – Schlachter 2000)

Auch Jesus selbst beschreibt sich als die personifizierte Weisheit Gottes in Matthäus 11:19 und Lukas 11:49.

Was sagt die Bibel über den Anfang der personifizierten Weisheit Gottes?

Der HERR hat mich geschaffen als Anfang seines Weges, / vor seinen Werken in der Urzeit;
in frühester Zeit wurde ich gebildet, / am Anfang, beim Ursprung der Erde.
Als die Urmeere noch nicht waren, wurde ich geboren, / als es die Quellen noch nicht gab, die wasserreichen. (Sprüche 8:22-25 – Einheitsübersetzung)

Jesus wurde demnach also vor der Erde erschaffen, „als Anfang des Weges des HERRN“ – er wurde geboren!

Jesus, das Wort, die personifizierte Weisheit Gottes hatte also einen Anfang. Jesus wurde zum „Werkmeister“ bei Gott als die Erde erschaffen wurde.(Sprüche 8:26-30 – Schlachter 2000)

Jesus ist die erste und alleinige Schöpfung Gottes (des Vaters) – alles andere wurde durch Jesus als Werkmeister erschaffen (Johannes 1:3; Kolosser 1:16; 1. Korinther 8:6).

In der gesamten Bibel, gibt es nicht einen Bibelvers, in dem Jesus selbst „Schöpfer“ genannt wird, noch wo er selbst etwas „erschuf“ – die gesamte Schöpfung ist dem Vater zuzuschreiben, und als „Werkmeister“ setzte Jesus die Dinge zusammen.

Man kann dies mit einem LEGO-Set vergleichen. LEGO fabriziert die Bausteine und den Bauplan – und gibt diese Dinge an den Kunden weiter, welcher das LEGO-Set nach dem Bauplan zusammenbaut. LEGO hat das Set erschaffen, und der Kunde baut es zusammen! Jesus selbst beschreibt diese Vorgehensweise so: „Der Sohn kann von sich aus gar nichts tun, sondern nur das, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater macht, das macht der Sohn genauso.“

Schlussfolgerung

Jesus ist der Anfang des Weges des HERRN, die erste Schöpfung Gottes überhaupt. Er hat somit einen Anfang.

Der HERR (JHWH) bediente sich Jesus als „Werkmeister“ – befähigte Ihn also – um durch Ihn (dem Wort bzw. der personifizierten Weisheit) alles Materielle entstehen zu lassen.

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